Zurück Die Genetik unserer Tabby

Die Genetik unserer Katzen ist immer wieder ein viel diskutiertes Thema und gerade bei unseren Katzen, die ein Tabbymuster zeigen (jede Katze trägt ein Tabbymuster, nur wird es mal gezeigt und mal nicht und manchmal nur ein Hauch (Geisterzeichnung)). Ich schreibe hier einige Erklärungen zum Tabby, gedacht für Züchter, Anfänger und sonstigen Interessierten. Es ist aus der Sicht der Britisch Kurzhaarkatzen geschrieben, was sicherlich auch für andere Rassen zutrifft, aber ich muss bei anderen Rassen auf den rassespezifischen Genpools hinweisen.
Leider ist es noch ein sehr trockener Text, aber ich versuche zukünftig einige erklärende Bilder beizufügen.

Einleitung
Vorweg, was immer wieder nicht berücksichtigt wird / falsch verstanden wird, wir haben das Agoutigen als Schalter für die Tabbyzeichnung. Schalter ein = das Tabbymuster zeigt sich, Schalter aus = das Tabbymuster zeigt sich nicht ggf. nur als Geisterzeichnung. So und jede Katze trägt das Mustergen in irgend eine Form. Das muss man sich unbedingt einprägen.

Nun zu meinen Erläuterungen die einerseits eine Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse sind, aber auch mein Wissenstand, den ich über die Jahre der Erfahrungen erhalten habe:
Das Tabbygen ist das Agoutigen mit dem Schalter ein/ aus. Dazu gibt es 3 Mustergene.
Die Mustergene verursachen ein Muster und davon gibt es eine ganze Menge. Bei unseren Hauskatzen sind ticked, spotted, mackerel, classic bekannt, die sich in das erste Gene für ticked , das zweite Gene für spotted und das dritte Gene für mackerel und classic aufteilen. Zu Classic ( international auch blotched genannt) kommt in der gleichen Wirkungsweise Marble, Rosetten etc. bei bestimmten Rassen.

Die Mustergene gibt es in unterschiedliche Formen des tabby Musters in der Katze (Reihenfolge der Dominanz)
- ticked Tabby = Ta, wie durch den Abysinnian gezeigt,
- Spotted = tsp (Sp), z.B. Mau
- Mackerel = T (Mc-), wie in den Wildtypen zu sehen ist
- Blotched = tb (mc-), weitere Bezeichnung classic/ marmoriert tabby
Wichtig: Die Tabbybezeichnung Ta wurde traditional von den Abysinnian abgeleitet und darf nicht mit der Aby-Agoutizeichnung verbunden werden. Merke: Tabbyzeichnung und Agoutizeichnung sind zwei völlig getrennte Wirkungsweisen. Die ticked Tabbyzeichnung ist das Wildgen und es wäre sicherlich weniger verwirrend würde man es als Tw statt Ta bezeichnen.

Sie werden im Gencode (Allele bezogen) folgendermaßen dargestellt und zeigen sich:
(Ich benutze nun die (Klammerbezeichnung), sie ist mir treffender):
Gene 1
- Ta Ta homozygote Form des ticked Tabbys, das ticked Tabby wird gezeigt
- Ta ta heterozygote Form des ticked Tabbys, das ticked Tabby wird gezeigt in veränderter Form mit leichter Tabbyzeichnung (siehe nachfolgend)
- ta ta homozygote Form des nicht ticked Tabbys, das ticked Tabby wird nicht gezeigt

Gene 2
- Sp Sp homozygote Form des spotted Tabbys, das spotted Tabby wird gezeigt
- Sp sp heterozygote Form des spotted Tabbys, das spotted Tabby wird gezeigt in veränderter Form(siehe nachfolgend) Es ist eine Spottedwirkung in Mackerel vorhanden
- sp sp homozygote Form des nicht spotted Tabbys, das spotted Tabby wird nicht gezeigt. Es ist keine Wirkung der Spottedgene vorhanden

Gen 3
- Mc Mc homozygote Form des mackerel Tabbys, das mackerel Tabby wird gezeigt
- Mc mc heterozygote Form des mackerel Tabbys, das mackerel Tabby wird gezeigt in veränderter Form(siehe nachfolgend) Es ist eine Blotchedwirkung im spotted zu erkennen.
- mc mc homozygote Form des blotched Tabbys, das blotched Tabby wird gezeigt. Es ist keine Wirkung der Mackerelgene vorhanden.


Nun stehen die Mustergene in einer Beziehung zueinander, deren Reihenfolge ich oben schon aufgeführt habe:
- Ta, ticked tabby ist dominant über Spotted, Mackerel und Blotched, (Gene 1 ist dominant über Gene 2 und 3)
- Sp, spotted tabby ist dominant über Mackerel und Blotched, (Gene 2 ist dominant über Gene 3)
- Mc, mackerel tabby ist dominant über Blotched

So und nun zu ein paar Beispielen zum Gencode:
- Ta Ta, Sp Sp, Mc Mc = Diese Katze zeigt das Muster ticked, sie ist homozygot (reinerbig) ticked, trägt homozygot spotted und trägt homozygot mackerel
- ta ta, Sp Sp, Mc Mc = Diese Katze zeigt das Muster spotted, sie ist homozygot (reinerbig) nicht ticked, sie ist homozygot spotted und trägt homozygot mackerel
- ta ta, sp sp, Mc Mc = Diese Katze zeigt das Muster mackerel, sie ist homozygot (reinerbig) nicht ticked, trägt homozygot nicht spotted und ist homozygot mackerel
- ta ta, sp sp, Mc mc = Diese Katze zeigt das Muster mackerel, sie ist homozygot (reinerbig) nicht ticked, trägt homozygot nicht spotted und ist heterozygot (nicht reinerbig) mackerel und trägt blotched
- ta ta, sp sp, mc mc = Diese Katze zeigt das Muster blotched, sie ist homozygot (reinerbig) nicht ticked, trägt homozygot nicht spotted und ist homozygot blotched.

Wenn ich das jetzt so lese, hört sich das mit der Verneinung schlimm und verwirrend an. Vielleicht noch zur Qual eine Erklärung dazu:

Der Großbuchstabe bezeichnet in diesen Fällen die Ursprungsform des Gens (den Wildtyp). Wird das Gen klein geschrieben liegt eine Mutation (Veränderung) des Gens vor und das Gen hat seine Wirkung nicht mehr oder eine veränderte Wirkung. Im Fall Ta ta liegt nur noch ein Gen, (ein Wildgen sagen wir) vor, das andere ta hat keine Wirkung mehr. Aber hier reicht ein (original) Gen aus, um das ticked Muster zu zeigen.
Also wenn geschrieben steht „sie ist homozygot (reinerbig) nicht ticked“ ist es nichts anders als „Beide Gene liegen in mutierter (veränderter) Form vor und haben daher keine Wirkung mehr“.


Nun noch einmal als Zusammenfassung in das genetisch Eingemachte:

Agouti A_ - Das Agouti Gen steuert, ob die Katze das normale Agoutiprotein (A_) oder die durch Mutation entstehende defekte Variation von ihr hat (aa), non Agouti. Denken Sie an meinen Schalter Ein/ Aus. Es verursacht, (unter anderem) dass das Tabbymuster sichtbar wird oder nicht
In einer Katze, die nicht rot ist (Mann o oder weiblich oo) oder in den schwarzen Teilen eines torties (weibliches Oo), beeinflusst das Agoutigens den Zustand, ob irgendein tabby Muster in hohem Grade sichtbar (A -) wird z.B. einer Silbertabby oder kaum sichtbar ist (aa) z.B. ein blauer Brite (Kartäuser). Der Grad der Sichtbarkeit ist geringfügig von polygenen Einwirkungen abhängig. Wir nennen es dann Geisterzeichnung bei z.B. einem blauen Briten. Dabei unterscheide ich etwas zwischen der Entwicklungsphase und der bleibenden Zeichnung. Oft zeigen 4-wöchige Kätzchen eine starke Geisterzeichnung, die aber eine Entwicklung innerhalb der Meiose sind. Es braucht seine unterschiedliche Zeit bis das Netzwerk der Proteine (Signale) vollständig funktioniert.
Bei Rot gibt es eine etwas andere Wirkung. Hier wirkt das Rotgen (geschlechtsgebunden) störend auf einen Teil der Agoutiwirkung, nämlich im Farbbereich. Um es zu verstehen muss man jetzt auf den biochemischen Bereich, die Wirkungsweise der Melanozyten eingehen, aber das wäre an dieser Stelle zu komplex.

Tabby Muster: Tabby Muster (Mackerel, blotched, spotted), werden durch Gene gesteuert, die den Umfang der Agoutiwirkung (die Menge des Agoutiproteins oder des fehlerhaften Agoutiproteins, wenn die Katze aa ist) in den unterschiedlichen Bereichen des Felles in der Katze veranlassen, verringert zu werden. So sind in einer tabby Katze die Haare in den schwarzen (Farb) Bereichen, in denen das tabby Muster dargestellt ist, durch eumelanin vollständig, während in den anderen Bereichen das typische Agouti ticking zu sehen ist. Die Tabbygene verursachen in verschiedenen Bereichen des Felles (Tabbymuster) die Schwächung und Veränderung der Melaninsynthese.

Das getickte Tabby Ta_ wird durch ein Gen mit dem Symbol Ta gesteuert. Das dominierende Allel Ta, in homozygot (TaTa) ist dominierend über das Mackerel und Blotched Muster. Wie in vielen Büchern zu lesen ist, ergeben sich Einschränkungen bei der heterozygoten Form (Ta ta, Sp). „z.B. ein Abysiner, der heterozygous für Ta ist, kann schwache tabby Markierungen haben - die Mackerel oder von Blotched abhängig sind. Das Ticked tabby scheint auch, spotted tabby zu verdecken (Sp-)“.
Bei solchen Beschreibungen muss man immer wieder rassespezifische Wirkungsweisen differenzieren. Leider wurde von den Autoren immer wieder versäumt, die Angabe der Rasse auf der ihre Beobachtungen beruhen. Bei den Briten (BKH) konnte ich solche Einschränkungen nie beobachten, bis auf Stärkung der tabbymaskierungen M, Bein-und Schwanzringe in der heterozygoten Form. Es war mir bisher nie möglich aus dem gezeigten ticked das tragen von mackerel oder blodched zu erkennen. Sicherlich ist die breite Bänderung der Tabbyabzeichen ein Hinweis aber keine sicher Ableitung.

Die getickte Form von tabby wird durch das Fell gekennzeichnet, der nicht die unterscheidende Musterwirkung der Mackerel und Blotched hat. Das Aussehen ist das eines allgemein hin getickten Fells, was bei Mackerel und Blotched im Zeichnungsbereich vorhanden ist. Man könnte auch sagen, das ticked Muster ist das Tabbymuster des Agouti und das Mackerelmustergen behindert die Wirkungsweise von Agouti an verschiedenen Stellen des Körpers und es zeigt sich volle Farbe, die schwarzen Streifen oder schwarzen Punkte bei spotted sind.


Spotted tabby, SP_, ist ein dominanter Modifizierer des blotched/ mackeral tabby Musters. Es verursacht, dass das Muster in Punkte zerbricht, obwohl das zugrundeliegende Muster von blotched/ mackerel noch vorhanden ist.
Obwohl noch viel Dunkelheit das Spotted umgibt, können wir heute hier von Polygenen sprechen die mehr oder weniger eine modifizierende Wirkung besitzen. Es beginnt mit dem Aufbrechen der Streifenwirkung bei Macherel und Aufrechen der Räderung (im Randbereich) beim Blotched und zeigt sich in der vollendeten homozygoten Form in Tupfen.
Liegt das Spotted in heterozygoter Form vor (Spsp), konnte ich immer sehr gut erkennen, welches Muster ob Mackerel oder Blotched sich dahinter befindet durch die Anordnung der Punkte.

Das Mackerel und blotched Muster werden durch das Mc- Gen gesteuert, in der dominierende Form (Mc -) zeigt sich das Mackerel und in der rezessiven Form (mcmc) blotched.

Zuchtpraxis
Ich möchte hier nur ein paar grundsätzliche Hinweise zur Zuchtpraxis geben. Es gibt viele polygene Einflüsse, die man teilweise erkennen kann, aber auch wiederum viele Einflüsse, die aus den Linien her beobachtet werden müssen.

Die Ticked Tabby Zucht In vielen Zuchten, in denen irgendeine tabby Zeichnung nicht wünschenswert ist, wird für das getickte Tabby häufig homozygot TaTa gezüchtet, um Tabbyzeichnungen wie Beinringe usw. herauszuzüchten, z.B. Burmese wobei es in der Rasse so nicht vorgesehen ist. Homozygote TaTa Katzen zu verpaaren, sind ideal zum Verringern der tabby Markierungen. Bei den Briten neige ich dazu, geringe tabby Markierungen bei zu behalten, besonders bei den Tieren mit Verdünnung, weil sie gegenüber den Vollfarbigen ein markanteres Aussehen besitzen. Aber es ist eine Sache des Geschmacks.
Rote Katzen, die aufgrund der Steuerung von Genen immer die Tabbyzeichnung zeigen, werden gerne in der Neuzeit auf Grundlage des ticked Tabbys gezüchtet, weil Sie damit weitestgehend Einfarbig aussehen. Auch bei mir sind sie immer wieder zu finden. Aber dieses Rot hat in seinem Ausdruck Grenzen und sie werden nie den tiefen roten Ausdruck erlangen wie jene, die auf dem blotched tabby Muster basierenden erlangen können. Wer ein intensives Rot züchten will, sollte doch lieber sich des blochted in homozygoter Form bedienen.

Die Spotted Zucht
In vielen Zuchten, in denen spotted Tabbies gezüchtet werden, wird blotched als zugrundeliegendes Muster vorgezogen. Es ist eine Zucht der Selektion der Spotted. In der Zuchtpraxis werden die Punkte der Spotted über 3-4 Generationen kleiner und man muss immer wieder einmal ein blotched einkreuzen um die Punkte zu vergrößern. Die reine Spottedzucht hat eine verkleinernde auflösende Wirkung.

Ich muss noch anmerken, dass unser Spotted wenig mit dem Spotted zu tun hat was in dem Bengal gefunden wird.


Die Mackerel und Blotched Zucht
Es ist eine Zucht der Selektion des Musters. Beide Wirkungsweisen haben modifizierenden Charakter. Entscheidend bei Mackerel ist der unterbrechungsfreie Farbbereich wie auch beim Blotched, einschließlich ihrer durchgängigen Färbung in den Farbbereichen, was gerade beim Blotched eine lange selektive Zucht bedeutet. Sie muss natürlich zum Zeichnungsbereich eine klare Abgrenzung finden.

Schlussbemerkung:
Meinen Schlusssatz werden ich immer wieder schreiben. Farb- und Musterzucht ist etwas sehr schönes. Aber wir dürfen dabei nie die Grundlage, unser Grundgesetz der Zucht vergessen, die Zucht und Selektion nach Gesundheit und Charakter. Es darf nie daran ein Zweifel geben.

Stand: 1. Okt. 2006/ Janocha

Anmerkung:
Immer wieder werde ich gefragt, warum sieht man bei Rot das Tabbymuster. Man kann es sehr gut erklären, anhand der biochemischen Vorgänge. Ich versuche in den kommenden Monaten einmal eine einfache Beschreibung der Vorgänge zusammen zu fassen.